Pressetext Stadtgalerie Plochingen Oktober 2000 | Pressetext: Landart Schinkeler Hütten



Mit sparsam eingesetzten Zeichen und Symbolen will die Künstlerin Angela Preusz tiefere Bewusstseinsschichten ansprechen
Foto: Koch

Bilder sind für mich Lebensmittel

Plochingen: Hamburgerin Angela Preusz stellt in der städtischen Galerie aus
Von Iris Koch

"Ein paar tausend Jahre Kulturgeschichte hinterlassen Spuren in der menschlichen Psyche", ist die Hamburger Künstlerin Angela Preusz überzeugt.Archaische Elemente und Symbole sind in ihren Werken ebenso präsent wie ironische Verweise auf die aktuelle Fast-Food-Kultur in Form von wachsüberzogenen Pappteller-Stilleben. "Takeaways" lautet der Titel der Ausstellung, die zur Zeit in der Galerie der Stadt Plochingen zu sehen ist.
Vor grossformatigen Leinwänden in erdigen Farben sind Tonscherben, ein Besteck sowie fetischartige Frauenbildchen in reichverzierten Rahmen arrangiert.
"Totenbilder" nennt Dr. Peter Beckmann in seiner Einführung die Werke, die Angela Preusz mit Farbe aus portugiesischer Erde gemalt hat.

 

Wie aus dem Nichts erscheint zu Beginn des fünfteiligen Zyklus eine lichte Figur, die kaum Gestalt angenommen hat, als sie auch schon wieder auseinanderfliesst.
Frauenleben thematisiert Angela Preusz mit der "Silencio" betitelten Reihe.
Dass die traditionell weibliche Beschäftigung mit der Reproduktion des menschlichen Lebens eine schlussendlich undankbare Angelegenheit ist, wird am letzten Bild deutlich:
Bis auf helle Striche, die es wie eine Naht umrahmen, ist es tiefdunkel.
"Es beginnt voller Hoffnung, doch die Frau hat kaum eine Chance, in dieser Form des Lebens richtig sichtbar zu werden", interpretiert Angela Preusz:"Was bleibt, ist die Kultur."
Die Auseinandersetzung mit Zeit und Kultur zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke der feministisch geprägten Künstlerin, die in ihrem früheren Schaffen vorpatriarchale Symbolik der frühgeschichtlichen Höhlen-malerei aufgriff.
Aus jüngerer Vergangenheit stammen die wurmstichigen Dauben portugiesischer Portwein-fässer, die Preusz zu kultartig anmutenden Bodenobjekten verarbeitete. Ein angedeutetes Kreuz hier, ein paar Kaurimuscheln dort, oder einige glänzende Gesteinssplitter verleihen den, an eine Trage oder Bahre erinnernden Objekten ihre Wirkung. Nicht plakativ, sondern mit sparsam eingesetzten Zeichen und Symbolen will die Künstlerin tiefere Bewusstseinsschichten ansprechen.
Konsequenz bei der Wahl ihrer Mittel attestierte Dr. Peter Beckmann der Hamburgerin auch in ihren neueren Werken. Für die Reihe "Lebensmittel" verwendete,die Künstlerin die alte Eitempera-Technik, bei der Eier, Leinöl und Harz zu einer Emulsion verarbeitet werden "Bilder sind für mich Lebensmittel, also Mittel zum Leben", meint Angela Preusz. Eine ironisch verpackte Kritik an heutiger Alltagskultur ist in der "takeaways" Serie herauszulesen, die der Ausstellung ihren Namen verlieh.
Was aus einiger Entfernung wie eine Reihe von Alabaster-Tafeln aussieht, stellt sich bei näherer Betrachtung als Ansammlung , wachsüberzogener Pappteller-Stilleben heraus, bei der lediglich die Anordnung der viereckigen Würfel auf den Tellern variiert.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum .8. Oktober 2000 in der Galerie der Stadt Plochingen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags von 17 bis 19 Uhr, freitags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

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